Nachhaltigkeit

Mikroplastik: Die unsichtbare Gefahr

In Wäldern, an Stränden und im Meer finden wir Plastiktüten, Zigarettenschachteln und Coffee-to-go-Becher. Ebenso häufig, aber weniger offensichtlich, treiben sich noch ganz andere, winzige Kunststoffe in unserer Natur herum: Mikroplastik.

977 Tonnen Mikroplastik und 46.900 Tonnen gelöster Kunststoff gelangen jährlich in Deutschland allein aus Kosmetikprodukten sowie Wasch- und Putzmitteln in unser Abwasser. Das hat eine Studie des Fraunhofer-Instituts und des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) ergeben.

Mikroplastik

Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik sind meist feste synthetische Kunststoffe (Polymere), die kleiner als fünf Millimeter sind1Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Mikroplastik – kleine Gifttransporter aus dem Abflussrohr (online eingesehen am 16.06.2019). und direkt oder indirekt durch menschliches Handeln in die Umwelt gelangen.2Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht, Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik. Ursachen, Mengen, Umweltschicksale, Wirkungen, Lösungsansätze, Empfehlungen. Oberhausen 2018 (online eingesehen am 16.06.2019). Mikroplastik kann aber auch so klein sein, dass es für unser Auge gar nicht sichtbar ist und wir es auch nicht fühlen können.3Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Mikroplastik in Kosmetik und Putzmitteln (online eingesehen am 16.06.2019).

Es gibt zwei Sorten von Mikroplastik: Primäres Mikroplastik und sekundäres Mikroplastik.

Zum primären Mikroplastik gehören zum einen Basispellets, die  Grundmaterial für  Plastikproduktionen sind. Zum anderen wird Mikroplastik  vornehmlich von der Kosmetikindustrie genutzt. Das sind dann Granulate in Peelings, Zahnpasta und Handwaschmitteln4Umweltbundesamt. Was ist Mikroplastik? 2013 (online eingesehen am 16.06.2019)., sowie in gelöster, flüssiger und gelartiger Form Bindemittel, Füllstoffe und Trübungsmittel.5Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Mikroplastik in Kosmetik und Putzmitteln (online eingesehen am 16.06.2019).

Aber auch durch Reifenabrieb und beim Waschen von Kleidungsstücken – meist bei Stoffen aus Polyester und Polyacryl – gelangen tausende Kunstfasern in die Umwelt.6Umweltbundesamt. Was ist Mikroplastik? 2013 (online eingesehen am 16.06.2019).

Sekundäres Mikroplastik entsteht hingegen durch den Zerfall von größeren Plastikteilen, also Makroplastik.7Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht, Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik. Ursachen, Mengen, Umweltschicksale, Wirkungen, Lösungsansätze, Empfehlungen. Oberhausen 2018 (online eingesehen am 16.06.2019). Leider gibt es nicht wirklich eine einheitliche Definition. So definiert beispielsweise der WWF Deutschland auch den Abrieb von Reifen und die Lösung von Kunststofffasern aus Kleidung als sekundäres Mikroplastik.8WWF Deutschland. Faktenblatt: Mikroplastik in der Umwelt (online eingesehen am 16.06.2019).

Wie kommt Mikroplastik in die Umwelt?

Das primäre Mikroplastik in Kosmetik und Co. können die Kläranlagen derzeit nicht ausreichend aus unserem Abwasser herausfiltern. So gelangen die kleinen Kunststoffteile aus unserem Haushalt ungehindert in die Umwelt und die Gewässer.9Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Mikroplastik – kleine Gifttransporter aus dem Abflussrohr (online eingesehen am 16.06.2019).

Das sekundäre Mikroplastik zerfällt in der Umwelt durch die Einwirkung von Sonne, Wind und Wasser, wieder in seine ursprüngliche Form – die Basispellets.10Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Mikroplastik – kleine Gifttransporter aus dem Abflussrohr (online eingesehen am 16.06.2019).

Laut Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature (IUCN)) sind die Hauptquellen für Mikroplastik die Ablösung von Kunststofffasern beim Waschen von synthetischer Kleidung, der Abrieb von Autoreifen sowie Abrieb aus Infrastruktur (Kunstrasen etc.) und aus Haushalten (Schuhsohlen, Kochutensilien etc.).11International Union for Conservation of Nature (IUCN). Primary Microplastics in the Oceans: A Global Evaluation of Sources. Gland 2017 (online eingesehen am 16.06.2019).

Einer Studie des Fraunhofer-Instituts können inzwischen 74 Quellen von Mikroplastik in Deutschland identifiziert werden. Allerdings ist noch völlig unklar, wie viele Quellen es wirklich gibt. Im Vergleich mit der IUCN ermittelte das Fraunhofer-Institut eine andere Zusammensetzung und Gewichtung der Quellen. So steht der Abrieb von Reifen mit 1228,5 Gramm pro Kopf/Jahr ganz oben an der Spitze.12Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht, Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik. Ursachen, Mengen, Umweltschicksale, Wirkungen, Lösungsansätze, Empfehlungen. Oberhausen 2018 (online eingesehen am 16.06.2019).

Das Schreckszenario „Mikroplastik in Kosmetik und Kleidung“ hat in den vergangenen Monaten viele Menschen für das Thema sensibilisiert. Aber die Kosmetik- und Bekleidungindustrie sind gar nicht die Hauptakteure. Weitaus mehr macht der Abrieb von Reifen (Auto, Motorrad, Fahrrad, Skateboards etc.) aus. Genauso wie Sportplätze, Kompost, Bauschutt und Gebäudefassaden. Sie emittieren am meisten Mikroplastik in die Umwelt.

Wie gefährlich ist Mikroplastik?

Kunststoff zieht Umweltgifte aufgrund seiner Oberflächeneigenschaften wie ein Magnet an. Die Kunststoffe werden dann samt Schadstoffen von den Meeresorganismen aufgenommen: Mikroplastik wurde in Seehunden, Fischen und Muscheln nachgewiesen.

Die Auswirkungen der Mikroplastikaufnahme sind vielseitig: Studien verweisen auf Gewebeveränderungen und Entzündungen bis hin zu inneren Verletzungen und zum Tod.13Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Mikroplastik – kleine Gifttransporter aus dem Abflussrohr (online eingesehen am 16.06.2019).

Und auch in unseren Körper gelangt das Mikroplastik nach und nach. Erst vor einigen Tagen sorgte eine Untersuchung des WWF für Empörung. Wir nehmen immer mehr Plastik durch unsere Nahrung auf – pro Woche fünf Gramm, so viel wie eine Kreditkarte wiegt.14WWF Deutschland. Aufnahme von Mikroplastik aus der Umwelt beim Menschen. 2019 (online eingesehen am 16.06.2019).

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht derzeit allerdings nicht davon aus, dass die Aufnahme von Mikroplastik gesundheitliche Risiken für den Menschen mit sich bringt. Weil die Datenlage aber viel zu dünn ist, will das BfR derzeit noch keine zusammenfassende Bewertung der Wirkung von Mikroplastik auf die Darmbarriere sowie eine abschließende Risikobewertung abgeben.15Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Mikroplastik: Fakten, Forschung und offene Fragen. 2019 (online eingesehen am 16.06.2019).

Woran erkenne ich Mikroplastik?

Ihr könnt Mikroplastik – zumindest was Kosmetik angeht – mit einem Blick auf die Inhaltsstoffe erkennen. Stehen folgende Stoffe auf der Verpackung, handelt es sich um Mikroplastik. Das sind die häufigsten:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Polyurethan (PUR)
  • Acrylates Copolymer (AC)
  • Acrylates Crosspolymer (ACS)
  • Polyacrylat (PA)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polystyren (PS)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Nylon-12
  • Nylon-6

Ihr merkt schon: „Poly“ ist das Zauberwort. Ihr müsst also fast nur darauf achten, ob einer der Inhaltsstoffe den Wortteil „Poly“ enthält. Dann könnt ihr euch sicher sein: das ist Mikroplastik.

Mein App-Tipp: Die kostenlose CodeCheck-App für Android und iOs. Darüber könnt ihr einfach den Barcode einscannen und überprüfen, welche Inhaltsstoffe das jeweilige Produkt enthält. Die Erkennung von Mikroplastik ist dabei nur ein kleiner Aspekt.

Vom BUND gibt es übrigens noch einen Einkaufsratgeber, was Mikroplastik mit Blick auf Kosmetikprodukte angeht. Schaut mal rein.

Und ob Plastik, Papier oder doch Glas nachhaltiger im Alltag ist, lest ihr hier.

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